Sommerbrief 

 

«Vom Gipfelstürmen und der Freiheit»

 von Karin Schüpbach 

 

Liebe Leserin, lieber Leser


Diesen Sommer konnte ich einige Berge erklimmen, steile Passagen überwinden und unendlich erscheinende Aufstiege Tritt für Tritt meistern - ganz in der Manier des Zählens im Zazen*. 

Der Lohn: eine wunderbare Aussicht über Bergkämme und Landesgrenzen hinaus, kreisende Adler am Gipfel, tiefe Dankbarkeit für die Schönheit unserer Welt, Demut für meine Kleinheit im grossen Ganzen, Stolz über mich hinaus gewachsen zu sein und Verbundenheit mit meinen Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen.

 

  Karin Schüpbach

Karin Schüpbach

Momente lang fühlte ich mich unendlich frei; kein Widerstand, keine Beschränkung– reiner Flow. Ein «saugutes» Gefühl. Kennen Sie das auch?

 

In meiner Beratungspraxis geht es im Grunde um ganz ähnliche Ansinnen: es gilt einen Gipfel zu erklimmen, dabei Beschränkungen zu überwinden und neues Terrain zu erobern. Gipfelstürmer-/innen sind Menschen, die neue Wege beschreiten, etwas in ihrem Leben oder in ihrem Arbeitsumfeld verändern und damit implizit oder explizit neue Freiheiten gewinnen wollen. Namentlich sich aus den Klemmen eines belastenden Zusammenarbeitsverhältnisses lösen; eine effizientere, agilere oder vertrauensvollere Kultur im Betrieb etablieren; für mehr Marktpräsenz den Zusammenschluss von Firmen realisieren; den Schritt in die berufliche Selbständigkeit wagen …

 

Aus meinen «Gipfel-Erfahrungen» – am Berg oder bei der Realisierung anderer Ziele – habe ich festgestellt, dass der Freiheit zwei sich gegenseitig bedingende Dimensionen innewohnen: nämlich die Freiheit hin zu etwas und die Freiheit weg von etwas. So winken «Gipfel» verführerisch angenehm und verklären, mindestens am Anfang, die andere Seite der Freiheits-Medaille, nämlich Abhängigkeit. Für Gipfel-Erfahrungen bedarf es also des Tuns und des Lassens.

 

Damit ich den Berg erklimmen und exponierte Stellen passieren konnte, musste ich mich meiner Angst stellen, die Vorstellung (los)lassen, sie könnte das Weitergehen verunmöglichen. Mit viel Herzklopfen und Sicherheitsseil im Rucksack aber ohne lähmende Angst liessen sich dann exponierte Stellen passieren.

 

Wenn sich meine Klientin beruflich selbständig machen will, dann erfordert diese neue Freiheit unweigerlich die Freiheit, sich von gewohnten Sicherheiten, sprich Abhängigkeiten zu verabschieden. Wenn sich jemand aus einer (Arbeits-)Beziehung lösen will, dann erfordert dies gleichzeitig die Freiheit, Selbstverständnisse (ein guter Chef kündigt nicht; Scheidung gleich scheitern) in Frage zu stellen und unerfüllte Harmoniebedürfnisse (mögen mich die anderen danach noch) abzulegen.

 

Jeder Weg aus einengenden Verhältnissen oder in neue Gefilde erfordert eine starke Vision, Mut, besonnene Risikobereitschaft, Abschiednehmen und Entschlossenheit.

 

Ich wünsche Ihnen unermüdliches, verführerisches Winken Ihrer Visionen, Träume und Freiheitsgelüste. Und die Kraft, sich Hindernissen auf dem Weg zu stellen, überfälliges zu lassen und natürlich Flow-Erlebnisse resp. «saugute Gefühle», unterwegs und wenn Sie dereinst auf dem Gipfel stehen.

 

Herzliche Grüsse

Karin Schüpbach

 

*Zazen ist die Meditationspraxis aus dem Zen-Buddhismus

 

Zum Bildungs- und Beratungsangebot von delosis.

Weitere Bildungsinformationen erfolgen in Kürze.